Wo Griechen gerne gründen

Marcus Pfeiffer

Sie kommen als Einwanderer und bleiben als Caterer, Gastronomen oder Elektronikfachhändler: Mehr als 2000 griechische Unternehmer melden jedes Jahr ein Unternehmen in Deutschland an. Denn Gründen ist hier ein Kinderspiel – nicht zuletzt dank hilfreicher Förderprogramme.

 

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Nikolaos Ziogas hätte nicht nach Deutschland kommen müssen, um erfolgreich zu werden. Der heute 54-jährige Gastronom wurde schon nach der Gastronomiefachhochschule ausgewählt, um auf der höchsten Ebene der griechischen Gastronomie zu arbeiten. Ab 1981 bediente er im staatlichen Hotel „Xenia Lagonissi“ nahe Athen griechische Staats- und Regierungschefs, Minister und ihre Gäste. Nachts verdiente er sich in einem anderen Restaurant das Gehalt für die tourismusarme Wintersaison. Bis zum Jahr 1991. „Ich habe meinen Bruder in Berlin besucht und fand Arbeit bei einem großen griechischen Restaurant.“ Er blieb als Kellner in Berlin und machte sich 1996 mit einem Catering-Service für griechische Spezialitäten selbstständig. Statt nachts zu arbeiten, verkauft er seitdem unter dem Namen „Nikos Catering“ Tsatsiki, Olivenöl und Artischockensalat. „Wenn man solange wie ich in harter abhängiger Nachtarbeit bedient hat, will man irgendwann etwas vom Tag haben und sein eigener Chef sein“, sagt Ziogas.

Mit diesem Ziel ist er nicht allein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gründen jedes Jahr mehr als 2000 der rund 200.000 in Deutschland lebenden Griechen ein eigenes Unternehmen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Nach einem kleinen Rückgang der Gründungszahlen in den Krisenjahren 2008 bis 2010 stieg die Anzahl der angezeigten Unternehmensgründungen von Unternehmern mit griechischen Wurzeln im Jahr 2011 auf insgesamt 2849.

“Um Kaffee zu verkaufen, muss man sich nur anmelden”

Zwei von ihnen sind Anastasis Giannousakis und Michalis Kavvadias (beide 32). Im Juli 2011 eröffneten die beiden im Berliner In-Bezirk Neukölln das Kneipencafé „Myxa“ – erst kurz nachdem sie nach Deutschland gekommen sind. Die große Liebe zu Deutschland packte sie bereits im Jahr 2009 bei einer Europarundreise mit einigen Stationen in Deutschland. Ein Jahr später zogen sie ganz nach Berlin. Eigentlich nicht um zu gründen, sondern um ihren Hauptberufen nachzugehen: Michaelis arbeitet als Grafikdesigner für Firmen in Griechenland, Anastasis berechnet Klimamodelle für das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Schritt in die Gastronomie ergab sich zufällig. „Wir haben nach einem angenehmen Ort gesucht, wo wir unsere Freunde treffen und guten Kaffee trinken können“, sagt Michalis. „Dann beschlossen wir, ein eigenes Geschäft zu eröffnen, in dem wir griechische Spezialitäten und Bio-Kaffee anbieten.“

Das war sehr einfach, finden Anastasis und Michalis. „Um in Deutschland Kaffee zu verkaufen, muss man sich nur beim Bezirksamt anmelden“, sagt Anastasis. An Fixkosten  hatten sie zunächst nur Versicherungen, GEMA-Gebühren, der Rundfunkbeitrag, Energiekosten und die Miete. Das schwierigste sei die Suche nach den geeigneten Räumen gewesen. „In Neukölln gibt es nur sehr wenige freie Räume“, erzählt Anastasis. „Wir mussten die Vermieter von unserem Konzept überzeugen. Überrascht hat mich, dass man ein volles Arbeitsgehalt nachweisen muss.“

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Griechen haben es sehr leicht

Griechische Gründer haben es leicht, bestätigt auch Juliane Griesbach vom Business Imigration Service der Industrie- und Handelskammer Berlin. „Sie haben einen entscheidenden Vorteil, weil sie als EU-Bürger keine Aufenthaltsgenehmigung bei der Ausländerbehörde beantragen müssen.“ Generell gilt: Der Erfolg eines Geschäftsmodells hängt vom Konzept und von der Gründung des Gründers ab. „Wer seine Geschäftsidee gut durchdacht hat, gut Deutsch spricht und etwas von seiner Branche versteht, ist erfolgreicher.“

Das erklärt den langjährigen Erfolg von „Delta-Electronic“ in Berlin-Wedding. Konstanios Vogiadjis (52) kam im Alter von sieben Jahren nach Deutschland. Gemeinsam mit seinem türkischstämmigen Freund Zerdli (53) lernte er zunächst das Handwerk der Fernsehtechnik in der Berufsschule, bevor sich beide im Alter von 21 Jahren mit einer Fernsehreparaturwerkstatt selbstständig machten. Schon damals erfuhren sie, wie einfach die Gründung in Deutschland ist. „Das lief reibungslos: Anmeldung beim Bezirksamt, Ladenschlüsse übernehmen und den Ladenaufbauen“, sagt Vogiadjis. Nach einer kurzen Unterbrechung starteten sie mit ihrem Geschäft richtig durch. „Die Mauer ging auf, wir übernahmen einen größeren Laden, gaben die Fernsehreparatur auf und konzentrierten uns auf den Verkauf von Elektronikgeräten.“

Förderprogramme helfen bei der Gründung

Damit griechische Unternehmer zukünftig genauso erfolgreich in die Selbstständigkeit starten, können sie verschiedene Angebote in Anspruch nehmen, die ihnen bei der Gründung helfen. Ein Beispiel ist der Business Imigration Service (BIS) der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. „Der Service kann auch von ausländischen Unternehmen, die eine Niederlassung in Berlin gründen wollen, in Anspruch genommen werden“, erklärt Juliane Griesbach. Seit 2007 helfen die Berater des BIS, einer gemeinsamen Kooperation von Ausländerbehörde, IHK Berlin, Berlin Partner GmbH, der Senatsverwaltung für Wirtschaft und der Bundesagentur für Arbeit, ausländischen Unternehmern bei der Gründung in Berlin. Hilfreich sind zudem Angebote aus der Initiative „Gründerland Deutschland“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Dazu gehören Gründercoachings, bundesweite Finanzierungsprogramme der KfW Bankengruppe  und Existenzgründerportale im Internet.

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