SOZIALDIALOG

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Die witzigsten Wahlwerbespots im griechischen Wahlkampf

Witzige Wahlwerbung in ernsten Zeiten: Griechische Parteien werben vor den Parlamentswahlen am 20. September mit viel Humor um ihre Wähler.

Von Martin Honecker

Wer erwartet hat, dass ein griechischer Wahlkampf in Zeiten der Staatsschuldenkrise eine traurige Angelegenheit ist, wird von den aktuellen Wahlwerbespots schnell eines Besseren belehrt. Vor allem die kleineren Parteien setzen auf den Humor der Zuschauer und beweisen dabei sogar viel Selbstironie. Und sie haben damit Erfolg: Mehrere Hunderttausend Male sind die erfolgreichsten Videos im Netz schon angeschaut worden. Dialoggers.eu hat die witzigsten griechischen Wahlwerbespots auf Deutsch untertitelt und zeigt sie hier. Zum besseren Verständnis erklären wir vorab die Zusammenhänge.

Die Unabhängigen Griechen (ANEL)

Der Chef der “Anexartiti Ellines” (der Unabhängigen Griechen, kurz ANEL), Panos Kammenos, war früher Parteimitglied der konservativen Nea Dimokratia. Als er in einer Vertrauensabstimmung gegen seine Koalition stimmte und dann auch noch das zweite Memorandum ablehnte, wurde er aus der Partei geworfen. Im Februar 2012 gründete er dann seine neue, rechtspopulistische Partei – die nach den Wahlen im Januar 2015 zum Regierungs-Koalitionspartner wurde.

Ihr neuer Wahlwerbespot hat folgende Vorgeschichte: Vor den Wahlen im Januar warben die „Unabhängigen Griechen“ (ANEL) im Fernsehen und auf Youtube mit einem kleinen Jungen, der in einem Laden mit einer Modelleisenbahn spielt. Als sie entgleist, kommt der Parteichef Panos Kammenos und will dem Jungen zeigen, wie man richtig damit umgeht. „Um voranzukommen, brauchst du Hilfe“, erklärt er väterlich. Dann ruft die Mutter: „Alexis, komm!“ Der Junge war also eine klare Anspielung auf Alexis Tsipras. Die Botschaft: ANEL und Syriza sollten zusammenarbeiten. Und ANEL zeigt Tsipras, wo’s lang geht. Die jetzige Wahlwerbung schließt daran an, nur dass Kammenos dieses Mal den Vater vom kleinen Alexis spielt:

Will sagen: Weiter so. Diese Koalition zwischen der linken Syriza und der rechten ANEL sollten wir fortsetzen.

 

Laiki Enotita (LAE)

Die neu gegründete Partei Laiki Enotita von Panagiotis Lafazanis – eine Abspaltung von Tsipras’ Syriza – ist hauptverantwortlich für die Neuwahlen. Die Mitglieder lehnen nach wie vor die Vereinbarungen ab, die Griechenland mit dem Rest Europas getroffen hat. Dadurch hat die Koalition zwischen Syriza und ANEL ihre Mehrheit verloren.

Dieser Spot hier spielt aber auf ein Ereignis an, bevor Lafazanis seine alte Partei verließ: Vor der Münzprägeanstalt in Athen hatte er im Juli dieses Jahres, kurz vor der Abspaltung, für die Wiedereinführung der Drachme und gegen den Euro demonstriert.

To Potami

Auch To Potami ist eine relativ neue Partei und lässt sich schwer auf der politischen Skala einordnen. Schon der Titel dieses Videos (“Nach dem Koma”) ist eine Anspielung. Das ganze Video dreht sich um ein Koma. Anders geschrieben bedeutet Koma auf griechisch “Partei”. So üben sie subtile Kritik an den Parteien, die bisher regiert haben. To Potami selbst versteht sich nicht als traditionelle Partei.

Oft als lose politische Ansammlung ohne klare Forderungen kritisiert, liefert die Partei in diesem Wahlkampf mit viel Ironie eine Analyse der Entwicklungen in den letzten Jahren ab.


Die Schlussfolgerung: Die anderen hatten ihre Versuche. Jetzt ist To Potami mal dran.

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